Low-End Linux Gaming

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Mit dem nahendem Supportende von Windows 10 ist es mal wieder an der Zeit einen Blick auf die alternative Linux zu werfen.

In diesem Beitrag will ich mich im Besonderen auf das PC-Gaming auf wirklich alter Hardware beziehen. Denn, wie allgemein bekannt, hat gerade Windows 11 relative hohe AnsprĂŒche auf welcher Hardware es sich installieren lassen will und auf welcher nicht. Zwar gibt es immer mal wieder Möglichkeiten diese Restriktionen zu umgehen. Irgendwann stellt sich aber die Frage was komplizierter ist: Linux auf dem eigenen Rechner zu installieren oder durch die HĂŒrden zu springen die ein Windows 11 Upgrade oder gar Installation mit sich bringen? Gerade auf alter Hardware dĂŒrfte sich dass als zunehmen umstĂ€ndlich herausstellen.

Referenzsystem

ZunĂ€chst möchte ich einen Überblick ĂŒber die Hardware geben, die ich als Beispiel fĂŒr diesen Artikel heranziehe. Konkret handelt es sich um ein MSI CX61 0OD aus dem Jahre 2013. Ab Werk kam dieses System mit den folgenden Komponenten:

  • CPU: Intel i5-3230M
  • Integrierte Grafikeinheit: Intel HD 4000
  • Dedizierte Grafikeinheit: NVIDIA GeForce GT 730M
  • Arbeitsspeicher: 4 GB DDR3 (Single Channel)
  • Festplatte: 500 GB 2.5″ HDD von Toshiba
  • KonnektivitĂ€t: Bluetooth 4.0, Wi-Fi 802.11 b/g/n
  • Webcam: Bison NB Pro (max, 720p@30fps)
  • Laufwerk: DVD RW
  • Akku: 4400 mAh, 49 Wh

Hier geht es zum offiziellen Datenblatt von MSI.

MSI CX61 0OD

Hardware Upgrades

In den letzten 11 Jahren (zum Zeitpunkt dieses Artikels) lĂ€uft der Laptop mittlerweile mit dem 3ten Akku. Abgesehen vom ĂŒblichen Leistungsverlust des Originalakkus zeigte dieser auch geringfĂŒgige SchĂ€den am GehĂ€use sowie Verformungen auf. Also höchste Eisenbahn den Akku zu tauschen. Das ist jetzt schon gut 6 Jahre her.

ZunĂ€chst habe ich den Akku durch ein Model ersetzt, welches die gleiche KapazitĂ€t wie das original hatte. Damit lag die Akkulaufzeit bei knapp 3h im Officebetrieb. In diesem Zustand verbraucht das System in etwa 11W – 23W. Also eine Akkulaufzeit von 2,1 – 4,45h. SpĂ€ter habe ich dann einen grĂ¶ĂŸeren Akku von 73,26 Wh eingebaut. Damit ist eine Laufzeit unter denselben Bedingungen von bis zu 5 – 6h zu erreichen.

Außerdem hab ich im Laufe der Zeit die 4 GB Arbeitsspeicher auf 2x 4 GB erweitert. Also von Single Channel auf Dual Channel und doppelter Speicher und noch mal etwas spĂ€ter auf 2x 8 GB also insgesamt 16GB Arbeitsspeicher. Mehr unterstĂŒtzt der Rechner auch nicht.

Weiterhin ist die Festplatte durch eine 2.5″ 1 TB Samsung EVO 860 SSD ersetzt worden. Was nicht nur den Stromverbrauch, sondern auch die Leistung zusĂ€tzlich verbessert hat und damit auch stoß unempfindlicher geworden.

Das Netzteil musste ich in all der Zeit auch einmal ersetzten wegen eines Kabelbruches.

Die neuste VerĂ€nderung war ein Austausch des Bluetooth / Wi-Fi Moduls. Von einem Intel Centrino Wireless-N 135 auf ein Intel AX210/AX1675* 2×2 Typhoon Peak. Was dem Laptop nicht nur ein Wi-Fi 6E, sondern auch ein Bluetooth 5.3 Upgrade beschert hat. Am Ende auch eine minimale Verbesserung der Stromeffizienz des Systems.

Windows 11 „Upgrade“?

WÀhrend die oben beschriebenen Hardware Upgrades auch problemlos mit Windows möglich gewesen wÀhren. Sieht es doch anders bei einem theoretischen Upgrade auf Windows 11 aus.

Bei einer Windows 11 Testinstallation auf diesem System wurde mehrere Dinge beanstandet:

  • Kein TPM.
  • Prozessor nicht unterstĂŒtzt
  • SecureBoot

TatsĂ€chlich verfĂŒgt dieses System ĂŒber keine Form von TPM. Nicht mal 1.0. Außerdem wurde das Alter der CPU bemĂ€ngelt. Wir halten fest, dieser Chip wurde im ersten Quartal 2013 eingefĂŒhrt.

Hier geht es zum Datenblatt von Intel.

Prinzipiell unterstĂŒtzt das UEFI SecureBoot. Allerdings hĂ€lt es sĂ€mtliche SchlĂŒssel fĂŒr ungĂŒltig. Selbst nach einen Firmwareupdate via fwupd welches explizit die Secure Boot Definitionen aktualisiert hat. LĂ€sst sich weder Windows noch Linux mit eingeschalteten Secure Boot starten. Leider gab es nie ein Update fĂŒr das BIOS und die Tools die MSI bereitstellt um das BIOS zu aktualisieren funktionieren nut auf Windows 7 oder 8. Weder unter Windows 10 noch unter Windows 11 lies sich dieses Tool ausfĂŒhren.

Windows 11 habe ich nur mit einigem AUfwand ĂŒberhaupt mal testweise auf dem System installiert um zu sehen wie "schlimm" es wirklich lĂ€uft auf dieser Hardware.

Zum aktuellen Zeitpunkt lassen sich diese Checks ĂŒber die Registry deaktivieren. Aber ob, das so bleiben wird bleibt abzuwarten. Da Microsoft schon in anderen FĂ€llen diverse bypass-hacks deaktiviert hat.

Aber seien wir mal ehrlich. Registry SchlĂŒssel wĂ€hrend der Installation bearbeiten, um ein Betriebssystem zu installieren? Dann ist der Schritt zu einer klassischen Arch Linux Installation aber auch nicht mehr weit. 😅

Abgesehen von EXTREM langen Ladezeiten lief das System, wenn es denn dann mal gestartet ist, in Ordnung ... Allerdings in keinem Vergleich zu Linux auf der selben Hardware.

Linux

Man kann also sagen ist Linux, neben einem BSD (FreeBSD, OpenBSD, NetBSD etc.) das einzige System was man auf dieser Hardware noch sicher und zukunftsorientiert benutzen kann. Allerdings mĂŒsste ich LĂŒgen, wenn ich sagen wĂŒrde Linux kommt ohne seine eigenen Problemchen daher. Zumindest auf dieser speziellen Hardware.

NVIDIA 


Eines der grĂ¶ĂŸten Hindernisse ist die in diesem System verbaute NVIDIA Grafikkarte. Im Besonderen, das diese nicht nVidias neustem Treiber unterstĂŒtzt wird und man auf einen der „Legacy“ Treiber zurĂŒckgreifen muss.

Offiziell werden hier nur die Versionen 390.157, 415.27 und 418.30 unterstĂŒtzt. Der neuste 400er-Treiber, also zum Zeitpunkt dieses Artikels 470.256.02, funktioniert auch tadellos. Dennoch bringt dies die ein oder andere Limitierung mit sich.

NVIDIA Treiber 470 unter Kalpa Desktop

Power Management

ZunÀchst schaltet sich die Grafikkarte mit dem proprietÀren Treiber nicht ab, wenn sie nicht benutzt wird. Zwar springt sie in den niedrigsten Modus und verbraucht dann nur um die 3W. Ist aber immer noch an. Sprich aus unseren vorher erwÀhnten 11W werden dann 14W. Was bei lÀngerem Akkubetrieb irgendwann ins Gewicht fÀllt.

Zum GlĂŒck gibt es aber auch hier Lösungen fĂŒr eben dieses Problem. FĂŒr die meisten Linux Distributionen gibt es ein Tool welches es dem Benutzer erlaubt die dedizierte Grafikkarte manuell auszuschalten. FĂŒr openSUSE ist dies z.B. SUSEPrime, andere Distributionen nennen so ein Tool nvidia-prime-select, FedoraPrime oder einfach nur Prime.

Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, das selbst dieses Tool mindestens den NVIDIA Treiber in der Version 390 benötigt. Wer zusĂ€tzlich noch eine schöne grafische OberflĂ€che bevorzugt, die alle oben genannten „Prime Tools“ unterstĂŒtzt, dem lege ich das von uns entwickelte OptimusUI ans Herz.

OptimusUI Hauptfenster

Zum GlĂŒck unterstĂŒtzt diese Karte mit dem installierten Treiber auch nVidias PRIME Render Offload Technologie. Wenn man denn ein paar Umgebungsvariablen fĂŒr diverse Anwendungen spezifiziert: __NV_PRIME_RENDER_OFFLOAD=1 __VK_LAYER_NV_optimus=NVIDIA_only __GLX_VENDOR_LIBRARY_NAME=nvidia.

Tools wie Lutris oder der Faugus Launcher bieten sogar einen Benutzerfreundliches Dropdown, in dem man einfach die richtige Karte auswÀhlen kann.

Wer also beide Grafikeinheiten benutzen will, kann dies tun. Außerdem ist das auch empfehlenswert, da beide GPUs fĂŒr sich alleine genommen nicht besonders leistungsstark sind. So lĂ€sst sich gerade beim Spielen die Last fĂŒr den Desktop auf die HD 4000 legen und die GT 730M kann sich voll und ganz einem Spiel widmen.

Wayland

Wer Wayland auf einer Kepler Grafikkarte benutzten möchte, muss sich auch auf einiges gefasst machen.

Zum einen unterstĂŒtzt die 400er-Treiber Serie nur Wayland mit dem EGL Backend. Zur Auffrischung, das gĂ€ngige Puffermanagement mit dem Fensterinhalte unter Wayland gehandhabt worden ist GBM. FĂŒr EGL bieten nur eine handvoll von Fenstermanagern unter Linux ĂŒberhaupt UnterstĂŒrzung. Maßgeblich Gnome’s Wayland Compositor mutter. In der Version 47 wurde das EGL backend wieder aktiviert, nach dem es zuvor aus Ă€lteren Gnome Versionen rausgeflogen ist.

Aber selbst mit EGL Wayland besteht das wohlbekannte explizit vs. implizit Sync Problem, welches erstmals mit der 560er-Treiber Serie in den NVIDIA Treiber eingezogen ist. Also wer Wayland unter dieser Karte benutzten will, kann das zwar prinzipiell tun, muss aber bei Anwendungen, die nicht die Bildschirmwiederholrate erreichen, mit stottern und „Geisterbildern“ rechnen.

Außerdem gibt es Probleme mit dem Offloading unter Wayland, wenn eine OpenGL Anwendung auf der dedizierten Karte ausgefĂŒhrt werden soll. Das funktioniert nicht. Vulkan Anwendungen hingegen lassen sich Problemlos auf die NVIDIA Karte auslagern.

Vulkan

Eine weitere Tatsache ĂŒber die man sich bei alter Hardware generell im Klaren sein sollte ist, dass diese nicht immer das neuste vom neusten unterstĂŒtzt. Im Besonderen und fĂŒr uns als Linux Gamer interessant ist die Vulkan-UnterstĂŒtzung. Diese ist bei Kepler Grafikkarten auf Version 1.2 limitiert. Die HD 4000 ist nicht einmal Vulkan 1.0 konform nebenbei bemerkt.

Das hat zur Folge, dass man Tools wie DXVK, welches DirectX auf Vulkan ĂŒbersetzt, nur bedingt benutzen kann. Genauer gesagt maximal bis DXVK 1.10, da ab DXVK 2 Vulkan 1.3 vorausgesetzt wird. DarĂŒber hinaus schrĂ€nkt uns dies auch maximal auf Proton 7, da ab Proton 8 DXVK 2 und neuer eingesetzt werden.

Zur Erinnerung: Proton ist das Steam Play KompatibilitĂ€tswerkzeug, mit dem Steam unter Linux Spiele, die fĂŒr Windows entwickelt wurden, ausfĂŒhrt.

Zum GlĂŒck gibt es aber spezielle von der Gemeinschaft entwickelte Versionen von Proton die genau diese Limitierung versuchen zu lösen. Maßgeblich Sarek Proton. Mit dieser Version z.B. kann man von allen Neuerungen in den neusten Versionen von Proton profitieren und das ganze lĂ€uft dann nur mit einer Ă€lteren bzw. abgewandelten Version von DXVK 1.10.

Zum einfachen Installieren empfehle ich Tools wie ProtonPlus.

ProtonPlus Hauptfenster

In den neueren Videos zu meiner Low-End Linux Gaming Serie auf YouTube kommt Sarek Proton im Übrigen zum Einsatz.

Nouveau

Als Alternative zum proprietĂ€ren NVIDIA Treiber gibt es natĂŒrlich noch den open source Treiber nouveau. Dieser glĂ€nzt auf jeden Fall mit vollstĂ€ndiger Wayland UnterstĂŒrzung, funktionsfĂ€higen Energiemanagement in dem Sinne, dass die Grafikkarte abschaltet, wenn sie nicht gebraucht wird und voll funktionsunfĂ€higer „Offload Technologie“ sprich das dynamisch Anwendungen auf der Grafikkarte ausgefĂŒhrt werden können unabhĂ€ngig von der zugrunde liegenden Grafikschnittstelle. Hier zu muss lediglich die Umgebungsvariable DRI_PRIME=1 gesetzt werden.

Kein (benutzbares) Vulkan

TatsĂ€chlich bringt das ganze einem aber am Ende nichts. Da nouveau, oder genauer gesagt NVK (nvidia Vulkan), also der quelloffene Vulkan Treiber fĂŒr NVIDIA Karten, keine UnterstĂŒtzung fĂŒr Grafikkarten bietet, die nicht mindestens der Turing Mikroarchitektur angehören. Also alles seit der RTX 20 bzw. GTX 16 Serie.

Zwar kann man mit der Umgebungsvariable NVK_I_WANT_A_BROKEN_VULKAN_DRIVER=1 auch alte Chips bis runter zur Kepler (also genau die GT 730M) Serie aktivieren. Ist aber genau das, was die Umgebungsvariable schon sagt, kaputt. Immerhin reicht es, um VKCube zu starten und von einem drehenden WĂŒrfel ohne Textur zu bewundern. Damit hat sich DXVK gĂ€nzlich erledigt. TatsĂ€chlich starten DXVK Titel nicht einmal.

In Spielen mĂŒsste man als auf WineD3D zurĂŒckgreifen, da es sich hier bei um ein DirectX zu OpenGL Übersetzer handelt. Doch dieser hat schon auf deutlich potenteren Grafikkarten immense Leistungsprobleme.

Leistungsprobleme

DarĂŒber hinaus besteht mit Ă€lteren NVIDIA Grafikkarten immer noch das Problem mit der Leistung an sich. Denn unglĂŒcklicherweise kann nouveau zwar die Grafikkarte dynamisch an und wieder ausschalten, aber nicht selbststĂ€ndig den Leistungsmodus der Karte Ă€ndern. Da NVIDIA Karten, seit Kepler, nur signierte Firmware und damit den proprietĂ€ren NVIDIA Treiber akzeptieren. So kann nouveau zwar die Grafikkarte prinzipiell ansteuern und auch OpenGL und sogar Vulkan (mehr oder weniger) benutzen. Doch bleibt die Grafikkarte dabei in ihrem langsamsten Betriebsmodus.

Ab dem der Linux Kernel Version 4.9 lĂ€sst sich dieser aber manuell vom Benutzter ĂŒber das Kernel Debug Interface verĂ€ndern. Hier zu habe ich auch mal ein Tool geschrieben.

Nouveau Re-Clock Hauptfenster Nouveau Re-Clock GPU Takt Àndern

Prinzipiell kann man so die Karte in einen höheren Leistungsmodus versetzten, doch ist der effektive Leistungsgewinn minimal. So minimal das selbst die HD 4000 eine bessere Leistung erzielt als die GT 730M mit nouveau im höchsten Leistungslevel. Also fĂŒrs Spielen vollkommen ungeeignet.

Nouveau vs Nvidia

Abschließend kann man also sagen, das der nouveau Treiber zwar Prinzipiell im Desktop bzw. Office betrieb die angenehmere Lösung ist. Unter anderem, da man den nouveau Treiber erst gar nicht extra installieren muss. Man so prinzipiell Anwendungen auf die NVIDIA Karte auslagern kann und einen Nutzen aus den 2 GB dedizierten VRAM ziehen kann. Doch fĂŒr alles, was etwas komplexer ist und auch nur ein FĂŒnkchen 3D braucht unterm Strich zwecklos.

Danke NVIDIA hier hab ihr uns einen BĂ€rendienst erwiesen.

Durch den Verlust der Vulkan UnterstĂŒrzung und gerade im Hinblick auf Gaming ist nouveau zunehmend ohne Belangen. Ob und inwiefern NVK eines Tages auch unter Kepler Karten benutzbar wird bleibt abzuwarten.

Wer nun auch noch die ein oder andere CUDA Anwendung laufen lassen will der ist gezwungen auf den proprietÀren Treiber umzuschwenken.

Sprich einzig und allein, wer keine Verwendung mehr fĂŒr die dedizierte Grafikeinheit hat, der ist mit nouveau besser Beraten. In allen anderen FĂ€llen mit dem geschlossenem Treiber.

Wie lange dieser aber noch lauffĂ€hig ist, unter neuen Linux Kernel Versionen ist allerdings fragwĂŒrdig. Zum Zeitpunkt dieses Artikels lĂ€sst sich das Kernel Modul mit der Version 6.11.6 noch bauen. Da es sich bei der 470er-Treiberserie aber auch um einen Legacy-Treiber handelt, steht die Frage im Raum wie lange NVIDIA ĂŒberhaupt noch irgendetwas an diesem Treiber anpassen wird.

TatsĂ€chlich liegt es maßgeblich bei euren Distributions Anbieter ob und inwiefern sie so alte Treiber a) ĂŒberhaupt anbieten und b) auch noch warten fĂŒr neue Linux Kernel. Mit openSUSE kann ich zmdst. bestĂ€tigen, dass die 470er Serie sogar noch mit dem neusten Kernel 6.19.3 funktioniert

Welches Linux fĂŒr alte Hardware?

Nun stellt sich die Frage, welche Hardware lĂ€uft am besten mit welcher Linux Distribution. Zwar gibt es speziell fĂŒr alte Hardware konzipierte Distributionen, aber im Allgemeinen kann man sagen, jede gĂ€ngige Desktop Linuxdistribution lĂ€uft auf so ziemlich jeder Hardware. Gerade bei Desktop Systemen ist der Unterschied kaum bis gar nicht festzustellen.

Persönlich benutzte ich Aeon Desktop auf dem in diesem Artikel vorgestellten System oder Kalpa Desktop. Das hat viele Vorteile. Zum einen handelt es sich hier bei um ein sogenanntes rolling-release. Das heißt, es wird kontinuierlich aktualisiert. Kommt mit dem neusten Linux Kernel daher und damit auch mit den neusten Treibern, Ausnahme bildet der NVIDIA Treiber.

Nun kann man zwar die Frage in den Raum stellen, wozu braucht man ein rolling-release auf mindestens 12 Jahre alter Hardware. Sollte ein point-release nicht auch alles mitbringen und ohne Probleme funktionieren? Die kurze Antwort ist: Ja.

Die lange ist: durch die kontinuierlichen Verbesserungen an bestehenden Treibern verbessert sich auch zusehends die LeistungsfĂ€higkeit des Systems. Ein 2 % Leistungszuwachs im Dateisystem? Gerne! Verbesserungen an Sicherheitsupdates fĂŒr diverse CPU Schwachstellen, die weniger Ressourcenlastgig sind? Nehme ich!

Linux verbessert sich kontinuierlich. Und egal ob auf Brand neuer Hardware bei der es unabdingbar ist die neusten Treiber zu haben, so profitieren auch alte GerĂ€te von rolling-releases. Jedes FĂŒnkchen Leistungsverbesserung kommt auch gerade auf alter Hardware zum Tragen.

DarĂŒber hinaus kommen Aeon und Kalpa mit Distrobox daher was die KompatibilitĂ€t mit diverser Software enorm verbessert. So muss sich der Benutzer keine Gedanken darĂŒber machen, welche Distributionsfamilie man nun am besten ausfĂŒhrt um evtl. alte proprietĂ€re Software laufen zu lassen, die nur fĂŒr eine bestimme, Linux Distribution mal entwickelt wurde. Denn nicht selten haben Benutzer die ihre alte Hardware weiter verwenden wollen auch evtl. das BedĂŒrfnis alte Software zu betreiben die nicht mehr gewartet wird. Mit Distrobox und Boxbuddy steht einem jede Linux Distribution zur VerfĂŒgung, ohne diese auf dem Rechner installieren zu mĂŒssen.

BoxBuddy Hauptfenster

Weiterhin sind Aeon und Kalpa auch ein sehr Ressourcen schonende Systeme. Dadurch, dass es eine unverÀnderliche Linux Distribution ist kommt das Basissystem mit einem absoluten Minimum an Bibliotheken und sonstiger Software daher.

So ist eine frische Aeon oder Kalpa Installation keine 4 GB groß. Alle Benutzer Anwendungen kommen primĂ€r als Flatpaks daher und installieren ebenfalls nur das, was sie brauchen mit. Wird eine flatpak Anwendung entfernt so werden auch nicht mehr benutzte Laufzeitumgebungen entfernt und etwaige Anwendungsdaten lasen sich einfach per Knopfdruck löschen, sodass man eine Anwendung vollstĂ€ndig und ohne Reste wieder entfernen kann. Ein Luxus den man mit klassischen Paketen nicht immer hat. Da diese etwaige Konfiguration oder zusĂ€tzliche eigene Laufzeitkomponenten im Nutzerverzeichnis irgendwo ablegen.

Eine kurze Festplattenbelegung von meinem System zeigt z.B. dass der meiste Platz von Steam belegt wird. Gute 40 % des gesamten belegten Speichers sind nur Spiele.

Gnome Festplattenanalyze zeigt die Speichernutzung an

Außerdem darf die Tatsache nicht außer Acht gelassen werden, das Aeon und Kalpa das BtrFS Dateisystem verwendet. Welches zusĂ€tzlich Platz spart, da es sich um ein sogenanntes Copy-on-Write Dateisystem handelt. Das bedeutet, das auf Festplattenspeicherblockebene nur dann ein Teil einer Datei neu abgelegt werden, wenn dieser sich von einer anderen unterscheidet. Außerdem besitzt BtrFS eine eingebaute Komprimierung die Aeon zmdst. von Haus aus aktiviert (Kalpa leider noch nicht). Dies reduziert nicht nur lese und schreib OOperationen, da weniger Daten geschrieben bzw. gelesen werden mĂŒssen, sondern ermöglicht es uns auch mehr Daten zu speichern.

Das wiederum bedeutet auch, dass alles, was sich so an redundanten Daten im Laufe der Zeit ansammelt, kaum ins Gewicht fÀllt.

Hat eine flatpak Runtime Àhnliche Dateien wie eine bereits installierte, dann werden nur die Unterschiede auf der Festplatte gespeichert.

Installiert man jetzt einige Distroboxen, die Àhnliche Bibliotheken haben. Dann werden nur die Unterschiede gespeichert.

Ein weiterer Vorteil von Aeon und Kalpa ist außerdem, dass beide von Haus aus mit ZRAM-Swap daher kommen. Das bedeutet, dass das System keine extra Auslagerungspartition hat, sondern den Arbeitsspeicher komprimiert. Dies verdoppelt zwar den Arbeitsspeicher effektiv nicht, sorgt aber fĂŒr deutlich bessere Leistung in AnwendungsfĂ€llen wo der Speicher des Systems volllĂ€uft. Zwar zu Lasten der CPU Zeit, aber betrachtet man die Alternative, den Auslagerungsspeicher auf die Festplatte oder SSD zu schreiben eine deutlich bessere Lösung.

Laienhaft könnte man sagen, zram-swap ist der RealitĂ€t gewordene „Download more RAM Meme.“

Sprich man bekommt mehr Arbeitsspeicher umsonst und schont dabei noch die Festplatte oder SSD im System. Zugegeben nicht nur ein Bonus fĂŒr low-end GerĂ€te, sondern auch fĂŒr normale Desktops.

GĂ€ngige Low-End Distributionen

NatĂŒrlich sind Aeon und Kalpa kein Allheilmittel. Es gibt eine Reihe von Szenarien bei denen Aeon keine gute Wahl ist.

Denn anders als Tumbleweed, auf dem es aufbaut, bieten Aeon und Kalpa keine 32Bit Version die auf 32Bit CPUs ausgefĂŒhrt werden könnte. Die 32Bit Software KompatibilitĂ€t ist damit nicht gemeint. 32Bit Software kann auf Aeon und Kalpa ganz normal ausgefĂŒhrt werden. (via Lutris z.B.)

Außerdem kommt Aeon immer mit dem Gnome Desktop daher und Kalpa immer mit KDE Plasma. Wer also kein Fan von Gnome oder KDE ist, ist mit Aeon bzw. Kalpa ebenfalls nicht gut beraten.

Weiterhin unterstĂŒtzen weder Aeon noch Kalpa offizielle ARM GerĂ€te. Da diese aktuelle immer mehr im Trend liegen sollten ARM Nutzer sich evtl. nach Tumbleweed oder anderen Distributionen umsehen.

Wer ein Dualboot System aufsetzten möchte, sie es mit Windows oder einer anderen Linux Distribution, sollte auch einen Bogen um Aeon und Kalpa machen. Beide bieten keine offizielle UnterstĂŒtzung heir fĂŒr. Wenn auch technisch durchaus umsetzbar.

Wem das Konzept einer unverÀnderbaren Distribution suspekt ist oder der flatpaks nicht leiden kann, der sollte beiden ebenfalls den Laufpass geben.

DarĂŒber hinaus setzten sowohl Aeon als auch Kalpa UEFI voraus. Demnach wer kein UEFI kompatibles System besitzt kann keine dieser Distributionen ausfĂŒhren.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle ein paar gÀngige low-end Distributionen erwÀhnen.

Videos

ErzĂ€hlen kann ich viel, aber wie es mit Realwelt Beispielen aussieht, sagt das noch lange nicht. Auch wenn Linux deutlich Ressourcen schonender ist als Windows, was die AusfĂŒhrung auf alter Hardware zusĂ€tzlich begĂŒnstigt, verbringt es dennoch keine Wunder. Spiele die vorher schon ĂŒber der Leistungsklasse des Systems lagen, werden es in vielen FĂ€llen immer noch sein.

Daher lade ich auf YouTube ab und zu explizit Low-End Linux Gaming Inhalte hoch. Zum einen um die Aufmerksamkeit auf Linux zu lenken und auch um zu zeigen, was denn so alles möglich ist. Oder was eben nicht. So das andere Benutzer mit Àhnlicher oder evtl. LeistungsstÀrkerer Hardware eine Referenz haben, was mit ihrer Hardware möglich wÀre.

FĂŒr die Interessierten, die neusten Aufnahmen der Serie sind mit einer Capture Karte gemacht worden. Genauer gesagt mit dieser hier.

Ältere Aufnahmen wurden mit dem GPU Screen Recorder auf dem Laptop selbst gemacht. Was natĂŒrlich zu Leistungseinbusen fĂŒhrte.

MSI CX61 (2013):

HP G62 (2010):

Lenovo V15 G4 (2025):